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DPF_Weltauftrag

weltauftrag„In ihnen muss der neue Mensch erscheinen…“ (AG 21)
Der Weltauftrag der Laien in der Kirche

Achtteilige Serie im Katholischen Sonntagsblatt, erschienen im Herbst 2013, hrsg. vom Institut De Pace Fidei

1. Die Sendung in der Kirche
2. Die besondere Sendung der Laien
3. Ehe und Familie
4. Kultur und Erziehung
5. Wirtschaft
6. Politik
7. Bewahrung der Schöpfung
8. Frieden


Teil 1: Die Sendung der Kirche

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Es lohnt sich, mit einer großen Frage zu beginnen: Wozu ist die Kirche eigentlich da? Dazu hat das II Vatikanische Konzil eine Antwort gegeben, die sich in einem Bild zusammenfassen lässt.
Wie der Mond nur leuchtet, weil er das Licht der Sonne empfängt und damit die Welt beschenkt, so weiß sich auch die Kirche verpflichtet: „Christus ist das Licht der Völker“ und sein Licht soll durch die Kirche in der Welt leuchten (LG1). Er ist die Kraft, die alles in der Kirche bewegt, von ihm erhält sie ihr Licht und ihre Sendung. Von ihm erhält alles in der Kirche Form und Gestalt: In jedem Getauften soll Christus Gestalt annehmen (LG 7). Weil durch sie Christus in der Welt sichtbar und wirksam wird, ist die Kirche „gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott sowie für die Einheit der ganzen Menschheit“. (LG 1)
Was das Konzil damit sagen will: die Kirche hat den Auftrag, in Sakrament, Liturgie und Verkündigung die Menschen mit Gott in Verbindung und Dialog zu bringen. Aber dieser wichtige und der sachlich erste Auftrag wäre inhaltslos, wenn er nicht von innen her darauf ausgerichtet wäre, die Menschen untereinander zu verbinden und zu versöhnen. „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe“ (1Joh 4,8). Das Eine ist ohne das Andere nicht zu haben: Wo die Kirche beauftragt ist, Menschen zu Gott zu führen, muss sie zugleich die Welt nach der Liebe Christi formen.
Das zweite Vatikanische Konzil hat diesen Sachverhalt zwei Grundworten anvertraut. Das erste spricht von der Kirche als Geheimnis: Die Kirche ist sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, durch welches er in der Welt wirkt und den Menschen, insbesondere den Armen und Ausgestoßenen nahe ist (LG 8). Diese Gegenwart Gottes inmitten einer menschlichen Gemeinschaft verdankt sich den Sakramenten. Vor allem in Taufe und Eucharistie tritt Gott an die Menschen heran und nimmt sie hinein in das Geheimnis seiner Menschwerdung. Deshalb muss die Kirche den Weg Christi einschlagen und Gottes Gegenwart in der Zuwendung zu den Armen und Leidenden bezeugen.
Das zweite Wort dagegen spricht von der Kirche als dem pilgernden Gottesvolk. Gott hat es gefallen „die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen“. (LG 9) Das erlöste Menschsein drückt sich in einem versöhnten Miteinander der Menschen aus, das keine Grenzen kennt. Das eine Volk Gottes ist dazu berufen, für die Welt Werkzeug der Erlösung und Sakrament der Einheit zu sein. Darum kann die Kirche nicht auf sich selbst kreisen, sondern muss ihren Pilgerweg zu Gott als einen Weg zu den Menschen verstehen.
Dazu ist die Kirche da: sie ist da, um Menschen zu Gott zu führen, indem sie Menschen zueinander führt und Menschen zueinander zu führen, indem sie sie zu Gott führt. Die Sendung der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst.


Teil 2: Die besondere Sendung der Laien in der Kirche

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Die Kirche hat einen doppelten Auftrag in der Welt: den Gottesdienst und den Menschendienst. Sie kann auf keine dieser beiden Seiten verzichten, ohne das Eigene aufzugeben, ohne ihre Existenzberechtigung zu verlieren.
Die Gemeinden unserer Diözese erleben heute einen großen Umbruch. Der zunehmende Mangel an Priestern führt dazu, dass viele Aufgaben der Pfarrer und Priester zunehmend von Laien übernommen werden müssen, um die Gemeinden am Leben zu erhalten. Bis auf wenige Reserven ist das aus der Sicht der Lehre und des Rechts auch möglich und erwünscht. Dabei stellt sich aber mit zunehmender Schärfe eine nicht unbedeutende Frage: was ist eigentlich die Rolle der Laien in der Kirche? Wo in den Gemeinden die Laien mehr und mehr auch für Liturgie, Verkündigung und Leitung Verantwortung übernehmen, droht dieser Unterschied zu verschwinden, oft zu Ungunsten der eigentlichen Sendung der Laien in der Kirche.
Das II Vatikanischen Konzil hat in dieser Hinsicht unterstrichen, dass der besondere Dienst der Diakone, Priester und Bischöfe in der Heiligung, der Lehre und der Leitung besteht (AA 2), währen es „Sache der Laien“ ist „kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen“ (LG 31).
Was will das Konzil hier sagen: Während die Hauptaufgabe des Klerus im Gottesdienst liegt, besteht die besondere Berufung der Laien im Menschendienst. Dabei handelt es sich nicht um eine bessere und eine mindere Aufgabe, sondern um die besondere Verantwortung von Klerikern und Laien für einen spezifischen Schwerpunkt der Sendung der Kirche. Laien und Klerus unterscheiden sich nicht dadurch, dass die einen die besseren Christen sind als die anderen, sondern dadurch, dass jeder seinen je eigenen Dienst innerhalb der einen Sendung der Kirche übernimmt (LG 10). Folgerichtig versteht sich die Sendung der Laien nicht als delegierter Hilfsdienst am hierarchischen Amt, sondern als eigenes Recht und eigene Pflicht aufgrund der Taufe.
Dieses Recht, aber vor allem die Pflicht der Laien besteht darin, durch ihre alltägliche Arbeit in ihrem je eigenen Lebensbereich die Vollendung der Welt in Christus anzuzeigen und voranzutreiben. Das Missionsdekret des Konzils spricht hier eine klare Sprache: In den Laien „muss der neue Mensch erscheinen, der nach Gottes Bild in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist.“ (AG 21) Die neue Schöpfung, die in Christus angebrochen ist, muss im Alltag der Getauften wirksam in Erscheinung treten und in ihrer Lebensführung für andere Menschen sichtbar werden (vgl. 2Kor 5,17-21).
Was das konkret bedeutet, verdeutlicht das II Vatikanische Konzil in seinem umfangreichsten Dokument, in der pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt „Gaudium et spes“. Der Dialog mit der Welt, den die Kirche hier anspricht und praktiziert, ist in besonderer Weise Sache der Laien (vgl. GS 43), sodass die verschiedenen Bereiche, welche die Konstitution in ihrem zweiten Teil anspricht, als die besonderen Aufgabenfelder der Laien in der Kirche zu betrachten sind. Es geht um Ehe und Familie, Kultur und Erziehung, Wirtschaft, Politik und Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. Dazu ist aus heutiger Sicht ein Verantwortungsbereich zu nennen, der in den Jahren des Konzils noch nicht bewusst war: die Bewahrung der Schöpfung.
In all diesen Bereichen wirken die Laien nicht alleine, sondern finden sich in einer großen Gemeinschaft von Menschen verschiedenster kultureller und religiöser Herkunft wieder, die von derselben Suche nach einer menschlicheren und lebensfreundlicheren Welt beseelt sind. Darin hat das Konzil ein Zeichen der Zeit gesehen (GS 9) und alle Christen, insbesondere aber die Laien dazu aufgerufen, diese Bestrebungen auf Christus hin transparent werden zu lassen (GS 10).


Teil 3: Die Sendung der Laien in Ehe und Familie


Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
Der erste Schwerpunkt dieser Sendung ist nach dem II Vatikanischen Konzil das Leben in Ehe und Familie. Wenn auch nicht alle Laien zur Ehe berufen sind, so leben doch alle Menschen in der einen oder anderen Art in familiären Bindungen, sodass das Konzil die Familie wiederholt als Grundlage und Keimzelle der Gesellschaft und der Kirche bezeichnet (LG 11, AA 11, GS 47).
Der Weltauftrag der Laien verwirklicht sich vornehmlich in der Gestaltung der menschlichen Beziehungen. Die Liebe Gottes kann die Menschen nur dann erreichen, wenn sie im Miteinander und Füreinander der Menschen abgebildet und so sichtbar und erlebbar wird. In diesem Anzeigen der Liebe Gottes sieht das Konzil den christlichen Auftrag zur Gestaltung von Ehe und Familie.
Das Sakrament der Ehe gibt den Gatten Anteil am Geheimnis der Liebe Christi zu seiner Kirche und beauftragt sie dazu, „durch ihre Treue Zeugen jenes Liebesgeheimnisses zu werden, das der Herr durch seinen Tod und seine Auferstehung der Welt geoffenbart hat“ (GS 52) Von dieser Grundlage her hat die christlichen Familie als Ganze den Auftrag, „die lebendige Gegenwart des Erlösers in der Welt und die wahre Natur der Kirche allen kundmachen, sowohl durch die Liebe der Gatten, in hochherziger Fruchtbarkeit, in Einheit und Treue als auch in der bereitwilligen Zusammenarbeit aller ihrer Glieder.“ (GS 48)
Die Konzilstexte über die Familie erinnern an die Schrift Richards von Sankt Viktor (1110-1173) über die göttliche Dreifaltigkeit, nach der das Wesen Gottes in der Liebe besteht, in der Liebe zwischen Vater und Sohn, welche sich öffnet und ausfließt in die gemeinsame Liebe eines dritten, des Hl. Geistes. Das Geheimnis Gottes besteht demnach in der „condilectio“, in der Liebe, die sich im Überfließen auf einen dritten vollendet.
Auf ähnliche Weise besteht das Gut der ehelichen Liebe, in welcher die Sexualität eine zentrale Rolle spielt, zunächst in der gegenseitigen Treue und Zuwendung der Gatten. Ihre Krönung findet sie aber in der Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft. „In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, […] wissen sich die Eheleute als mitwirkend mit der Liebe Gottes des Schöpfers und gleichsam als Interpreten dieser Liebe.“ (GS 50) Aus der Verantwortung füreinander entspringt die gemeinsame Verantwortung für die uns anvertrauten Menschen.
Ebenso kann die Familie als ganze nur dann „eine Art Schule reich entfalteter Humanität“ (GS 52) sein, wenn sie nicht auf sich selbst kreist, sondern sich anderen Menschen öffnet, um ihnen von der Liebe zu schenken, die die sie selbst im Innersten bewegt. In dieser Hinsicht nennt das Dekret über das Laienapostolat das Gebet und die Liturgie, die Gastfreundschaft und die Beherbergung von Fremden, den Einsatz für Gerechtigkeit, Adoption bzw. Pflege verlassener Kinder, die Gestaltung des Schullebens, die Begleitung von jugendlichen und alten Menschen, die Aufmerksamkeit und gegenseitige Stütze zwischen den Familien (AA 11).
„Die echte eheliche Liebe wird höher geschätzt werden, und es wird sich eine sachgerechte öffentliche Meinung über sie bilden, wenn die christlichen Gatten durch das Zeugnis der Treue und Harmonie in dieser Liebe und durch Sorge für die Kindererziehung sich hervortun und ihre Pflicht erfüllen bei einer notwendigen kulturellen, psychologischen und sozialen Erneuerung zugunsten von Ehe und Familie.“ (GS 49)


Teil 4: Die Sendung der Laien in der Kultur

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
Wo immer wir Menschen leben, gestalten wir unsere ihre materielle und soziale Umgebung. Wir versuchen, unserem Dasein einen Sinn zu geben und diesem Ausdruck zu verleihen. Wo immer wir leben, tragen wir einen Schatz an Erkenntnissen und Fertigkeiten, an Artefakten und sozialen Netzwerken zusammen. Auf diese Weise bilden die Menschen in ihren je verschiedenen Lebenskreisen unterschiedliche Kulturformen aus, die sich in einem lebendigen gegenseitigen Austausch ständig bereichern und verändern.
In diesem Sinn betont Johannes Paul II im nachsynodalen Schreiben „Christifideles Laici“(1988): „Der Dienst am Menschen und an der menschlichen Gesellschaft kommt im Schaffen und Weitergeben von Kultur zum Ausdruck und zur Verwirklichung.“ (CL 44) Dieser anspruchsvolle Auftrag, so der Papst weiter, ist der „der spezifischen Verantwortung aller Laien anvertraut.“ Er übernimmt damit die Lehre des II Vatikanischen Konzils wo es heißt: „Das Apostolat im sozialen Milieu, nämlich das Bemühen, Mentalität und Sitte, Gesetz und Strukturen der Gemeinschaft, in der jemand lebt, im Geist Christi zu gestalten, ist so sehr Aufgabe und Pflicht der Laien, dass sie durch andere niemals entsprechend erfüllt werden kann.“ (AA 13)
Dieser Auftrag sollte aber nicht im Sinn einer christlichen Einheitskultur verstanden werden. Die Aufgabe der Kirche ist die Weitergabe des Glaubens und nicht einer Kultur. Der Glaube ist an keine Kultur gebunden, sondern muss immer von neuem die Kultur der Glaubenden formen und im Sinn der Liebe Gottes umgestalten. Aufgabe des Christen ist es nicht, eine christliche Sonderkultur zu schaffen, sondern inmitten des jeweils eigenen kulturellen Umfeldes gestaltend auf dieses einzuwirken.
In diesem Sinn forderte Johannes Paul II „die Laien auf, sich mutig und kreativ an den privilegierten Orten der Kultur, wie die Welt der Schulen und Universitäten, die Milieus wissenschaftlicher und technischer Forschung, die Orte des künstlerischen Schaffens und humanistischen Nachdenkens eine Präsenz zu verschaffen. Diese Präsenz soll nicht nur die Elemente der gegenwärtigen Kultur erkennen, kritisch beurteilen und gegebenenfalls läutern, sondern sie mit Hilfe des ursprünglichen Reichtums des Evangeliums und des christlichen Glaubens auf eine höhere Ebene erheben.“ (CL 44)
Hier sollte ein wichtiges Element hervorgehoben werden. Was „geläutert“ und „erhoben“ werden soll, ist zunächst nicht die Kultur der „anderen“, sondern die je eigene und jene des je eigenen Umfeldes. Wo aber Christus in einem Menschen Gestalt annimmt, da wirkt er sein Leben hinein und über dieses hinaus in die Gemeinschaft der Menschen, die ihn umgeben. Johannes Paul II schrieb dazu: „Ein Glaube der nicht Kultur wird, ist ein Glaube, der nicht wirklich angenommen, nicht vollständig durchdacht, nicht treu gelebt ist.“ (AAS 74, 685)


Teil 5: Die Sendung der Laien in der Wirtschaft

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
„Die wirtschaftlich-soziale Frage […] stellt ein wesentliches Moment des Dienstes der Laien an der Gesellschaft dar.“ (Johannes Paul II, Christifideles Laici, 43). Schwerpunkt der christlichen Mitgestaltung der Wirtschaftswelt ist die Anerkennung der Würde der menschlichen Arbeit. „Durch seine Arbeit erhält der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in tätigen Verbund mit seinen Brüdern und dient ihnen; so kann er praktische Nächstenliebe üben und seinen Beitrag zur Vollendung des Schöpfungswerkes Gottes erbringen.“ (GS 67) Durch seine Arbeit antwortet der Mensch auf das Geschenk des Lebens, um selbst für andere Menschen da zu sein, ein schenkender Mensch zu sein. Hier liegt die Mitte einer wirtschaftlichen Entwicklung, „die wahrhaft menschlich sein will“. Ein solche muss „dem Prinzip der Unentgeltlichkeit als Ausdruck der Brüderlichkeit Raum geben“. (CiV 34)
Wo Menschen sich nun auf verschiedene Weise in Unternehmen zusammenschließen, bleiben sie diesem inneren Ziel der Arbeit verpflichtet. Das Unternehmen muss der Arbeit des Menschen dienend zugeordnet sein, indem es Raum schafft für Brüderlichkeit und Unentgeltlichkeit. Sinn und Zweck eines Unternehmens kann also nicht allein der Gewinn der Unternehmensleitung oder der Aktionäre sein. Die enge Vernetzung der Unternehmen im globalisierten Kontext bringt hier einige Komplexität mit sich, sodass Unternehmen oft keinen Überblick über die Produktionsbedingungen in den eigenen Zulieferungsbetrieben haben und die Pflicht zur Überwachung und Kontrolle sträflich vernachlässigen.
Diese Pflicht, sich aktiv über die Arbeitsbedingungen der Menschen zu informieren, mit welchen man in wirtschaftlicher Beziehung steht, betrifft jedoch nicht nur die Unternehmen, sondern nicht zuletzt auch die Konsumenten. „Die weltweite Vernetzung hat eine neue politische Macht aufsteigen lassen, und zwar jene der Konsumenten und ihrer Verbände“ (CiV 66) Durch den Kauf eines Produktes bejahe ich die dahinter stehenden Produktionsprozesse und übernehme somit Verantwortung. Auch als Käufer bin ich nicht in erster Linie meiner Geldtasche verpflichtet, sondern vielmehr der menschlichen Gemeinschaft, die hinter dem jeweiligen Produkt steht. So schwierig und zeitaufwändig es auch ist, Informationen zu sammeln über die Herkunft und Produktionsbedingungen einer Ware: Nur so kann ich sicherstellen, dass meine Kaufentscheidung dem freien Austausch dient, in welchem Menschen für sich und für andere sorgen und dem Geschenk des Lebens Ausdruck geben.
Dieselbe Informationspflicht besteht im weitläufigen Bereich der Investitionen, die wir direkt oder indirekt über Banken und Versicherungen tätigen. Damit stützen und fördern wir bestimmte Wirtschaftbereiche und übernehmen für diese Verantwortung. Wenn ich als Christ mein Geld anlege, dann darf nicht die Rendite im Mittelpunkt der Überlegungen stehen, sondern die menschlichen Beziehungen, die ich damit eingehe. Investitionen „müssen dahin zielen, in ausreichendem Maße Arbeits- und Verdienstgelegenheiten zu schaffen, nicht allein für die gegenwärtige, sondern auch für die künftige Bevölkerung.“ (GS 70)
Die tätige Mitverantwortung der Laien in allen Bereichen des Wirtschaftslebens kann und soll dazu beitragen, die Vision eines befreiten und beschenkten Miteinanders der Menschen in dieser globalisierten Welt zu verwirklichen. „Wer als Christ am heutigen sozialökonomischen Fortschritt mitwirkt und dabei für Gerechtigkeit und Liebe eintritt, der möge überzeugt sein, er könne viel beitragen zum Wohl der Menschheit und zum Frieden auf dieser Welt. Bei all diesem seinem Wirken möge er, gleichviel, ob er als Einzelner oder im Verbund mit anderen tätig wird, leuchtendes Beispiel geben.“ (GS 72)


Teil 6: Die Sendung der Laien in der Politik

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
Die Nächstenliebe die Mitte dieser Aufgabe, denn durch sie „bezeugen die Laien ihre Teilhabe am Königsein Christi“ (CL 41). Nicht die Herrschaft, sondern das Dasein für andere, der Dienst am Menschen qualifiziert das Königtum Christi und seiner Jünger (Mk 10,42-45).
Die Nächstenliebe als sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes hat ihren bleibenden und unverzichtbaren Ort in der persönlichen Begegnung und im eigenverantwortlichen Einsatz für bedürftige und hilfesuchende Menschen, aber nicht zuletzt auch in der aufmerksamen und liebevollen Gestaltung der alltäglichen Beziehungen.
Wenn aber jemanden lieben heißt: „sein Wohl im Auge haben und sich wirkungsvoll dafür einsetzen“ (CIV 7), dann kann dieser Einsatz nicht von den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Strukturen absehen, mit welchen jede menschliche Begegnung eng verwoben ist. Ohne gleichzeitige Sorge für die Gerechtigkeit und
das Gemeinwohl hat Nächstenliebe wenig Sinn. Wer nämlich politische Strukturen des Unrechts fördert oder stillschweigend duldet, dessen Einsatz für den Nächsten muss zumindest zweifelhaft erscheinen.
Der politische Einsatz für Gerechtigkeit und Gemeinwohl steht heute gravierenden Problemen gegenüber. Es gilt, eine beschränkte Sicht des Gemeinwohls zu überwinden. Dieses ist nicht das Wohl einer Gruppe oder Nation, sondern die Solidarität aller Völker; es geht nicht um das Wohl der eigenen Generation, sondern um die Verantwortung für die kommenden Generationen. Die rücksichtslose Ausbeutung der politisch und wirtschaftlich schwachen Völker und der Raubbau an den natürlichen Ressourcen offenbaren die Schwäche unseres politischen Systems. Vieles an diesem Mangel an Gerechtigkeit und Solidarität ist auf das herrschende Ungleichgewicht von Wirtschaft und Politik zurückzuführen. Global agierende Konzerne und Finanzakteure stehen territorial zersplitterten und konkurrierenden politischen Systemen gegenüber und spielen diese gegeneinander aus. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Papst Benedikt XVI zum Aufbau „einer echten politischen Weltautorität“ aufgerufen (CIV 67). Eine global agierende Wirtschaft braucht eine globale Gesetzgebung und Rechtsprechung, um das eigene Ziel zu erreichen: Die Schaffung eines Raumes der Solidarität, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit.
Viele der politischen und wirtschaftlichen Krisen, die wir heute auf lokaler Ebene erfahren, stehen in einem engen Zusammenhang mit einer mangelnden Solidarität zwischen Individuen, sozialen Gruppen, Völkern und Generationen. Der politische Einsatz der Christen wird also in der umfassenden Stärkung des moralischen Bewusstseins der Menschen seinen Mittelpunkt haben. „Für den Aufbau eines wirklich menschenwürdigen politischen Lebens ist nichts so wichtig wie die Pflege der inneren Einstellung auf Gerechtigkeit, Wohlwollen und Dienst am Gemeinwohl … “ (GS 73).
In dieser Hinsicht muss sich die Mitverantwortung der Laien in den gesellschaftlichen und politischen Strukturen auf verschiedenen Ebenen artikulieren. Neben der Wahrnehmung des Wahlrechts, der aktiven Beteiligung an politischen Vereinigungen und der Übernahme politischer Ämter ist hier vor allem auch die Mitarbeit in den vielen kirchlichen und zivilen Vereinen und Verbänden zu nennen, die sich in verschiedener Weise für das Gemeinwohl einsetzen.
Es ist deshalb noch einmal auf die ganz persönliche Übung der Nächstenliebe zurückzukommen. „Paradoxerweise ist die Liebe um so notwendiger, als die Institutionen in ihrer Organisation komplexer werden ...“ (CL 41) Nur dann können die politischen Strukturen ihren Dienst am Menschen erfüllen, wenn die Menschen, die sie tragen, vom Geist der schenkenden und sich verschenkenden Liebe erfüllt sind, der uns in Christus geschenkt ist.


Teil 7: Die Sendung der Laien als Bewahrung der Schöpfung

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
Ausgangspunkt der Überlegungen in dieser Artikelserie waren bisher die Texte des II Vatikanischen Konzils. Eine der markantesten Leerstellen dieser Texte besteht aus heutiger Sicht darin, dass das die gesamte Umweltproblematik gar nicht oder nur am Rande vorkommt. Was vor fünfzig Jahren der drohende Atomkrieg war, ist im heutigen Bewusstsein das immer deutlicher zu Tage tretende Umweltproblem und die damit verbundenen Probleme und Ängste.
Die Datenlage dazu ist erdrückend: Der globale Verbrauch an Ressourcen überschreitet aktuell die Biokapazität der Erde um die Hälfte, die Folgen zeigen sich in Klimaerwärmung, Zerstörung von Ökosystemen und Raubbau an Ressourcen. Die Ursache dieses Umweltproblems liegt im herrschenden Wirtschaftssystem. Dieses ist auf exponentielles Wachstum angelegt, was exponentiellen Ressourcenverbrauch und Emissionen mit sich bringt. Allein der weltweite Zuwachs von 10% der CO2-Emissionen im Jahr 2010 entspricht so den gesamten Emissionen des Jahres 1931 – die Wachstumskurve zeigt steil nach oben!
Ein solches Entwicklungsmodell ist auf einem begrenzten Planeten mit begrenzten Ressourcen mehr als bedenklich, was spätestens seit der Analysen des „Club of Rome“ 1972 allseits bekannt ist. Das wachstumsbasierte Wirtschaftsmodell erkauft den Wohlstand auf Kosten Umwelt, d.h. auf Kosten der Lebensgrundlage der weniger entwickelten Länder sowie der kommenden Generationen. Jene Menschen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, leiden bereits heute am meisten an der Umweltzerstörung.
Der Einsatz der Christen für die Bewahrung der Schöpfung beruht somit nicht auf einer verklärenden Naturromantik, sondern auf dem Bewusstsein der Verantwortung für die Armen sowie für die kommenden Generationen. In dieser Hinsicht unterstreicht Benedikt XVI in seiner Enzyklika „Caritas in veritate“ die „dringende moralische Notwendigkeit einer erneuerten Solidarität“ (49). Eine solche erfordert nicht nur die Umstellung einzelner Teilbereiche, sondern einen umfassenden Wandel, einen „neuen Lebensstil“ (51) des Einzelnen sowie der Gesellschaft als ganzer.
Der christliche Glauben kann deutliche Impulse geben für ein persönliches und gesellschaftliches Leben, in dem nicht mehr das materielle, sondern vielmehr das moralische und geistige Wachstum in den Vordergrund rückt. Gegenüber einer Ökonomie und einer Politik, die das Wachstum Bruttosozialproduktes in den Vordergrund stellen, besteht die Herausforderung heute darin, eine „Ökonomie des Glücks“ zu entwerfen. Um wirklich glücklich zu leben, brauchen Mensch und menschliche Gemeinschaft nicht Wirtschaftswachstum, sondern Grundsicherung, sozialen Ausgleich, gelebte Brüderlichkeit und Raum für persönliche Entwicklung. Ein Weniger an materiellen Gütern kann durchaus einhergehen mit einem Mehr an Wohlstand, Lebensqualität und Solidarität.
Die Lösung der Umweltproblematik ist heute keine Frage von technischen Einzellösungen: Weder Solarpaneele noch biologische Landwirtschaft werden hier einen Fortschritt bringen, wenn nicht zugleich eine radikale Umstellung im Wirtschaftssystem erfolgt. Die Statistiken sprechen hier eine deutliche Sprache: Trotz aller Förderung von nachhaltigen Techniken wächst der Ausstoß von CO2 unbeirrt weiter. Die hier notwendige globale Umstellung ist jedoch nur über den Wandel des Lebensstils des Einzelnen erreichbar, über einen Wandel in den Wertungen und Erwartungen, welche unsere Entscheidungen leiten. Der Auftrag der Laien, als „Sauerteig“ in dieser Welt zu wirken, wird heute darin bestehen, hoffnungsvolle und ansteckende Beispiele zu geben für ein persönliches und gemeinsames Wirtschaften im Zeichen von Dankbarkeit und Verantwortung, von Genügsamkeit und Solidarität.


Teil 8: Die Sendung der Laien im Zeichen des Friedens (als summa eschatologisch aufstecken)

Wo und wie kann und soll sich der christliche Glauben in der Gestaltung unserer Welt auswirken und welche besondere Rolle kommt dabei den Laien zu? Dieser Frage widmet sich die Artikelserie des „DE PACE FIDEI, ökumenisches und interreligiöses Institut für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Der Auftrag der Kirche umfasst in einer untrennbaren Einheit zwei Pole: den Gottesdienst und den Menschendienst. Die Aufgabe der Laien in der Kirche besteht in der besonderen Sorge für die konkrete Gestaltung der Welt: „in ihnen muss der neue Mensch erscheinen“ (AG 21).
„Gaudium et spes“, die pastorale Konstitution des zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche in der Welt von heute, schließt mit einem Kapitel über die Förderung des Friedens und den Aufbau der Völkergemeinschaft. Unter dem frischen Eindruck des zweiten Weltkrieges, der Kubakrise und des atomaren Wettrüstens des kalten Krieges fasst dieser Abschnitt mehr als viele andere auch die „Trauer und Angst“ (GS 1) der Menschen vor 50 Jahren zusammen und formuliert die Hoffnung auf eine Zeit, in der „jeglicher Krieg absolut geächtet werden kann.“ (GS 82)
Der Frieden kann mit Recht als die Mitte der christlichen Hoffnung und des christlichen Handelns in der Welt verstanden werden. Christus selbst, der in der Schrift als „Friedensfürst“ (Jes 9,5) und „unser Friede“ (Eph 2,14) bezeichnet wird, preist die Friedensstifter selig und verheißt ihnen, „sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9). Der Gruß des Auferstandenen, aber auch die Verheißung und der Auftrag an seine Kirche lauten: „Der Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19). Wo immer Christen gerade sind, soll mit ihnen der Frieden wohnen, sollen sie Zeichen und Werkzeug des „Gottes der Liebe und des Friedens“ (2Kor 13,11) sein.
Aber wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir von „Frieden“ sprechen? In den meisten Sprachen meint „Frieden“ die Abwesenheit von Krieg und Streit. Damit geht ein Leben im Rahmen einer klaren und effektiven Rechtsordnung einher. Auch in der Bibel wird der Frieden als „Werk der Gerechtigkeit“ (Jes 32,17) bezeichnet. Das hebräische „shalom“, das auch der neutestamentlichen Rede vom Frieden zugrunde liegt, meint jedoch viel mehr: Es geht um einen umfassendes Gelingen des Lebens in der menschlichen Gemeinschaft. Als solcher ist der Friede im Alten Testament eine Gabe Gottes, die Inhalt des Betens und Bittens Israels ist. Entsprechend dazu erscheint der Frieden im Neuen Testament als die Frucht der Auferstehung Christi. Die machtvolle Offenbarung und Vollendung der neuen Schöpfung in Christus steht einerseits noch aus, ist aber andererseits im Heiligen Geist bereits spürbar, gegenwärtig und wirksam (Röm 8,6).
So verstanden besteht der Friede tatsächlich „nicht darin, dass kein Krieg ist“. Er ist vielmehr „die Frucht der Liebe, die über das hinausgeht, was die Gerechtigkeit zu leisten vermag. […] Der irdische Friede, der seinen Ursprung in der Liebe zum Nächsten hat, ist aber auch Abbild und Wirkung des Friedens, den Christus gebracht hat und der von Gott dem Vater ausgeht.“ (GS 78)
Die Sendung der Laien, die Welt wie ein Sauerteig zu durchdringen und zu gestalten, lässt sich von daher noch einmal unter dem Stichwort des „Friedens“ zusammenfassen. In ihrem Leben in Ehe und Familie, in der Gestaltung der Kultur, in der Wirtschaft, in der Politik und nicht zuletzt im verantwortungsvollen und solidarischen Umgang mit den uns anvertrauten Gütern der Schöpfung sind die Laien gerufen, ihr Leben zu einem Sakrament, einem wirksamen Zeichen des Friedens Christi zu machen. Es geht um einen großen Auftrag, aber auch um eine große Befreiung. Ich muss nicht selbst den Weltfrieden bringen, ich brauche nicht die Verantwortung für das Ganze zu stemmen. Ich darf mein Leben zu einem Anfang und Zeichen jener Veränderung werden lassen, die der Geist Gottes in der Welt vollbringt. Ich darf darauf vertrauen, dass dieser Dienst im Zeichen Christi anspricht und herausfordert, mein Leben und das Leben anderer Menschen bereichert und befreit.

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