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Fistill_Gestalten-der-Bibel

GESTALTEN DER BIBEL: Reihe im Katholischen Sonntagsblatt und Sendereihe auf RGW (2009)

David - Hirtenjunge und König
Ijob - Die große Frage nach dem Warum
Josua - Der Feldherr Israels
Kain und Abel - Der Brudermord
Aaron und Pinhas - Sich für Gott ereifern


fistill-davidDavid
Hirtenjunge und König


„Bei allen seinen Taten stimmte er Loblieder an auf Gott, den Höchsten, mit rühmenden Worten. Vor dem Altar ließ er Saiteninstrumente aufstellen und schuf Psalmweisen für die Harfenbegleitung.“ (Sir 47,8a.9a) Mit diesen Worten rühmt Jesus Sirach den König David, den „Dichter und Sänger“ unter den Herrschern des Alten Testaments. Genau dieses Bild ha-ben wir von David übernommen. Von vielen unserer Kirchen schaut er mit der Harfe in der Hand auf uns herab und deutet auf den hin, den seine Lieder besingen.
Diese Darstellungen sind uns lieb geworden, geben aber nur einen Aspekt des facettenrei-chen Herrschers wider. In erster Linie war David ein Soldat. Als Söldner im Dienste Sauls macht er bald Karriere, wird Befehlshaber der israelitischen Truppen und schlussendlich Schwiegersohn des Königs. Die Siege, der er mit seinen Männern gegen die Philister erringt, sind so bedeutsam, dass man Lieder und Geschichten über seine Taten verfasst. Der sagen-umwobene Kampf zwischen David und Goliat ist beispielhaft für die Siege, die das kleine Israel gegen die Mächtigen Philister davonträgt.
Der judäsiche Söldner kämpft aber nicht nur für Israel. Als David mit Saul in Konflikt ge-rät, wechselt er die Seite und begibt sich in den Dienst des Philister-Königs von Gat. Im süd-lichen Negeb verbreitet er durch blutige Raubzüge Angst und Schrecken und baut so seine Macht aus. Schlussendlich erheben ihn die Ältesten Judas zum König und salben ihn in Heb-ron. Nach dem Tode Sauls und seiner Söhne wird im auch die Krone Israels angeboten.
Als König über zwei kleine Reiche zieht David mit seinen Truppen gegen die Nachbarn und kann sowohl gegen die Philister als auch gegen die kleinen Reiche im Osten etliche Siege erringen. Er erobert die Stadt Jerusalem und macht sie zu seiner Hauptstadt; durch die herbei-geholte Lade JHWHs wird sie nun auch religiöses Zentrum.
Die Bibel berichtet aber nicht nur vom siegreichen Krieger, sondern auch vom machtgieri-gen und sündigen Monarchen. Emblematisch ist seine Affäre mit Batseba, deren Ehemann David in den Tod schickt, um sein Vergehen zu vertuschen. Als der Prophet Natan den König mit seiner Schuld konfrontiert, macht er Buße. So kann er vor Gott und den Menschen wieder bestehen.
Es sind diese Eigenschaften, die der Bibel besonders lieb und teuer sind. Für die Schrift ist David nicht nur ein Kriegsheld, nicht nur ein Politiker, nicht nur ein König. Die Heilige Schrift sieht in David vor allem einen Menschen, der trotz seiner Fehler und Schwächen, trotz seiner Sündhaftigkeit und seinen Mängeln von Gott geliebt und gesegnet wird.

Lesetipp:
S.A. Nitsche, König David. Sein Leben – seine Zeit – seine Welt (Gütersloh 2002). ISBN 3-579-05191-1


fistill-hiobIjob
Die große Frage nach dem Warum

Ijob war ein frommer Mann – heißt es in der Bibel – und er war reich, hatte Besitz, Herden, eine große Familie und eine stählerne Gesundheit. Es fehlte ihm nichts, was einen Menschen glücklich macht. Er war – kurz gesagt – ein von Gott gesegneter Mensch. Deshalb vergaß er auch nicht Gott regelmäßig für seine wohlwollende Zuwendung zu danken.
Es ist natürlich leicht dankbar zu sein, wenn man alles bekommt, was man braucht. Wie würde sich ein solcher Mensch verhalten, wenn ihm alles weggenommen würde?
Genau diese Frage stellt sich auch das Buch Ijob, und es erzählt, wie ihm sein gesamter Besitz genommen wurde, wie seine Kinder starben und wie zu guter letzt auch seine eigene Gesundheit dahin war. Nun saß er da, auf einem Aschehaufen, bedeckt mit Wunden und Ge-schwüren, und fragte sich ganz einfach: Warum? Warum muss ich soviel Leid aushalten?
Es ist die Frage, die auch wir uns oft stellen: Warum geschieht mir das? Warum muss ich leiden? Warum gibt es überhaupt so viel Leiden auf dieser Welt?
Von der Bibel würden wir uns eine eindeutige Antwort auf diese Fragen erwarten, doch das ist nicht der Fall. Das Buch Ijob beschäftigt sich in über 40 Kapiteln mit dieser Frage und erörtert alle Möglichkeiten, und doch kommt es zu keiner richtigen Antwort.
Einmal wird gesagt, dass Ijob sein Leiden einfach geduldig ertragen hat. Er hat es ange-nommen, so wie er auch den göttlichen Segen angenommen hatte. Berühmt ist in diesem Zu-sammenhang der Ausspruch, der immer wieder zitiert wird: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen. Gelobt sei der Name des Herrn!“
Das Buch Ijob beschreibt aber auch, wie sich Ijob aufregt und wehrt. Er wehrt sich gegen seine Freunde, die ihm sein Leid deshalb als gerechtfertigt erklären wollen, weil Gott sich nicht irrt. Und er wehrt sich auch gegen Gott; er fordert ihn heraus und verlangt von ihm Ge-rechtigkeit.
Manche mögen eine solche Art zu reden als gotteslästerlich empfinden. Aber im Grunde ist es eine Art von Gebet, denn beten heißt, sich mit Gott in Verbindung setzen, mit ihm reden und sich mit ihm auseinandersetzen. Beten heißt nicht nur loben und danken, beten heißt manchmal auch rechten und zweifeln. Für viele gehören die Reden Ijobs zu den intensivsten und menschlichsten Beispielen von Gebet, weil sie Gott mit in das Leben einbeziehen und dadurch so richtig ernst nehmen.
Und die Bibel gibt dem Ijob recht. Was für seine Freunde Frevel und Gotteslästerung ist, wird für Ijob zur Rettung. Sein Schicksal verändert sich, weil er fragt, weil er klagt, weil er anklagt und weil er sich nicht einfach in sein Schicksal ergibt.

Lesetipp:
H. Zahrnt, Wie kann Gott das zulassen? Hiob – der Mensch im Leid (Piper; München-Zürich 61996). ISBN 3-492-20453-8


Josua
De
fistill-josuar Feldherr Israels

Die biblische Tradition hat ihn vor allem als großen Feldherrn dargestellt, auch wenn die Erfolge in der Schlacht im Grunde nicht von ihm abhingen. Josua, der Sohn Nuns, war gewis-sermaßen der verlängerte Arm Gottes, denn der eigentliche Feldherr – so die Bibel – ist JHWH allein.
Das wird schon beim ersten Auftritt Josuas im Kampf gegen die Amalekiter kurz nach dem Auszug aus Ägypten (Ex 17,8-15) deutlich, und es setzt sich fort bei der berühmten Erobe-rung Jerichos (Jos 6). So wird Jericho auch nicht im Kampf eingenommen, sondern durch einen liturgischen Akt, durch eine heilige Prozession zu Ehren JHWHs, bei der die Bundesla-de, das Zeichen der Präsenz des Gottes Israels, unter Hörnerschall vorangetragen wird. Darauf fallen die Mauern Jerusalems, wie von unsichtbarer Hand geschlagen, in sich zusammen – ohne Zutun der Israeliten. Fast apokalyptische Züge nimmt anschließend der Kampf gegen die fünf Könige des Landes an (Jos 10), wo JHWH Steine vom Himmel hageln und die Sonne einen Tag lang stehen lässt.
All diese Darstellungen wollen klarstellen, dass Sieg und Erfolg im Grunde von Gott ab-hängen, der so mächtig ist, dass er auch die Naturelemente beherrscht. Und den Erfolg schenkt er vor allem denen, die sein Gesetz befolgen. So wird man sich nicht wundern, dass Josua, als „Knecht“ des Mose auch zu einem Musterisraelit wird, der über das Gesetz JHWHs nachsinnt bei Tag und bei Nacht und dem alles gut gelingt (Jos 1,8).
Die moderne Archäologie hat mehrfach versucht, die biblischen Landnahmeerzählungen durch Ausgrabungen zu bestätigen und zu untermauern. In den meisten Fällen war es ein Schlag ins Wasser. Angefangen bei Jericho, über Ai bis hin zu den anderen Städten, die laut Buch Josua von den zwölf Stämmen Israels erobert und vernichtet worden sind – in den sel-tensten Fällen lässt sich für die fragliche Zeit eine gewaltsame Eroberung der Stätten nach-weisen. Ja bei einigen Ortschaften kann man sogar dokumentieren, dass sie über Jahrhunderte hinweg unbewohnt waren.
Aufgrund dieser Ergebnisse ist die heutige Exegese zur Erkenntnis gelangt, dass sich die sogenannte „Landnahme“ wohl in wesentlich bescheidenerem Maße abgespielt haben muss. Höchstwahrscheinlich ist viel weniger Blut geflossen, als uns die biblischen Darstellungen weismachen wollen. Die Schlachten waren lokal begrenzt, die Entstehung des Volkes Israels eher langwierig und unscheinbar.
Trotzdem behält das Buch Josua seinen Reiz und seine Gültigkeit, denn es erinnert uns, dass Gott der Herr der Schöpfung und der Herr der Geschichte ist. Wenn wir Menschen Ge-schichte schreiben wollen, geht es meistens daneben. Wenn wir aber die Geschichtsschreibung Gott überlassen und unser Leben in diese göttliche Ordnung einfügen, dann wird Gott seinen Heilsplan zur Vollendung bringen und wir – das ist unsere christliche Hoffnung – werden teilhaben an seinem Reich.

Lesetipp:
I. Finkelstein/N.A. Silberman, Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel (dtv 34151). ISBN 978-3-423-34151-6


fistill-kain-abelKain und Abel
Der Brudermord


Alle kennen die zwei Brüder Kain und Abel, die laut Bibel die Gewaltreihe innerhalb der Menschheitsgeschichte eröffnen. Deshalb überrascht es ein wenig, dass sie innerhalb der Bibel kaum Beachtung finden. Das Buch Genesis enthält in Kapitel 4 die bekannte Erzählung; ansonsten werden die beiden im Alten Testament regelrecht ignoriert. Das kommt vielleicht daher, dass die beiden Brüder mit ihrem „Auftritt“ zu Beginn der Heilsgeschichte ihren „Dienst“ getan haben.
Am Anfang der Menschheitsgeschichte beschreibt nämlich die Bibel die zwei schwersten Verfehlungen des Menschen. Keine Sünde ist so verwerflich, wie der Abfall von Gott. Nichts ist theologisch schwerwiegender als sich von Gott loszulösen und sich selber an Gottes statt zu setzen. Deswegen wird mit der Erzählung vom Sündenfall Adams und Evas diese Sünde als erste Sünde der Menschheit beschrieben – nicht zeitlich, sondern theologisch gesehen die erste und somit die schwerste und schlimmste. Und gleich darauf wird die zweitschlimmste Sünde beschrieben. Sie zerstört die Beziehung unter den Menschen: Es ist der Mord, der in seiner schrecklichsten Variante aufgezeigt wird, nämlich im Brudermord. Diese Sünde wird durch die Erzählung von Kain und Abel aufgearbeitet.
Die Geschichte von Kain und Abel ist nicht in allem schlüssig. Es wird z.B. nirgends be-gründet, warum Gott das Opfer Kains nicht annimmt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Kain als erstgeborener Sohn von Adam und Eva das Erbe Adams antritt. Dieses Erbe besteht nicht aus einem gut bestellten und fruchtbaren Hof. Adam kann seinem Erstgeborenen nichts anderes vermachen, als er selber erhalten hat, nämlich den Ackerboden, von dem er selber genommen worden ist, und den Gott laut Gen 3 als Folge des Sündenfalls verflucht hat. Viel-leicht hat es aber auch damit zu tun, dass Kain anscheinend beliebige Früchte als Dankesopfer darbringt, während Abel die „Erstlinge“ seiner Herde auswählt, womit er gleichsam die späte-ren Kultgesetze vorausnimmt. Wir werden es wohl nie ganz herausbekommen. Tatsache ist, dass diese unterschiedliche Behandlung JHWHs zu Neid, Zorn und schließlich zum Mord führt.
Gen 4 beschreibt den Brudermord als beispielhaftes Vergehen am Mitbruder, d.h. am Nächsten. Dass JHWH den Mord nicht gut heißt, ist selbstverständlich. Weniger selbstver-ständlich ist, dass er auch die Rache ablehnt. Gemäß dem Gesetz der Blutrache hätte Kain die Todesstrafe verdient. In einer menschlichen Gesellschaft wäre dies auch der Fall gewesen. Doch Rache – so betont Gen 4 – ist nicht Zuständigkeit des Menschen, sondern Gottes. JHWH allein steht es zu, das vergossene Blut Abels zu rächen. Deswegen stellt Gott Kain unter seinen besonderen Schutz, ohne dabei allerdings die vorher ausgesprochene Strafe der Verbannung aufzuheben. Das Zeichen, das Gott an Kain macht, will zum Ausdruck bringen, dass Gott damit die uferlose Ausbreitung des Tötens verhindern will. Das Mal an Kain ist also eine Art Schutzzeichen und nicht ein Schandmal, wie man es oft gedeutet hat. Das Mal soll alle Menschen, die dem Mörder begegnen, daran erinnern, dass nur Gott, und sonst niemand, Herr über Leben und Tod ist.


fistill-aaronAaron und Pinhas
Sich für Gott ereifern


Die biblischen Erzählungen leben von „großen“ Gestalten. Aber es sind vor allem die Randfiguren, die der Bibel ihren besonderen Reiz verleihen. Zwei „kleine“ aber sehr interes-sante Gestalten werden am Sonntag, 30.11.2008 um 19.00 Uhr in Radio Grüne Welle vorge-stellt: Aaron und Pinhas.
Aaron ist historisch kaum fassbar. Er tritt fast ausschließlich in späten priesterlichen Texten auf, ist literarisch also eine recht junge Gestalt. Es waren vor allem priesterliche Kreise aus exilisch-nachexilischer Zeit, die sich mit Aaron identifizierten und ihm einen breiten Raum im Pentateuch verschafften. Als nach der Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempels die Priesterschaft neben dem religiös-ethnischen auch im sozial-politischen Bereich Einfluss gewann und schlussendlich die Führung übernahm, nahm die Figur Aarons immer hohepries-terliche Züge an. So stand die Amtseinführung und Salbung der nachexilischen Hohenpriester wohl Pate für die Einsetzung Aarons und seiner Söhne, wie sie uns in Lev 8 beschrieben wird.
Die Priester, die sich auf Aaron zurückführten, galten in dieser Zeit als die rechtmäßigen Erben und die authentischen Ausleger des Gesetzes, das man Mose zuschrieb. Deshalb wird in diesen Texten Aaron als Bruder des Mose dargestellt, wobei aber das das Verhältnis zwischen Mose und Aaron eindeutig definiert ist: Mose (= Gesetz) steht über Aaron (= Priestertum), Aaron ist lediglich sein Mund, sein Sprecher, sein authentischer Interpret (vgl. Ex 4,10-16). Folglich darf Aaron bei der Verkündigung des Gesetzes am Sinai mit seinem Bruder Mose den heiligen Gottesberg besteigen (Ex 19,24), und zum Bundesschluss wird ihm und seinen Söhnen gar eine Gottesschau gewährt (Ex 24,9-11).
Doch spart die Bibel auch nicht mit Kritik gegen Aaron. In der Erzählung von der Vereh-rung des goldenen Kalbes am Sinai wird Aaron eine nicht ganz glückliche Rolle zugewiesen: Er ist am Glaubensabfall des Volkes maßgeblich beteiligt und gießt selbst das Götzenbild – nicht gerade ein Kompliment für die Priesterschaft, die sich in ihm identifizierte. Tatsächlich dürfte die Priesterschaft oftmals ihre religiösen Pflichten und teilweise auch ihren JHWH-Glauben vernachlässigt haben. So wurde die Figur Aarons durch die Erzählung vom goldenen Kalb in Ex 32 zum mahnenden Negativbeispiel für die Jerusalemer Priesterschaft.
Es gab aber auch viele Priester, die sich mit großem Eifer für den Tempel und für den Glauben an JHWH ein setzten. Sie identifizierten sich neben Aaron besonders mit Pinhas. Der Enkel Aarons spielt eine Schlüsselrolle in einem sehr eigenartigen Abschnitt im Buch Numeri (Num 25). Darin ereifert sich Pinhas so sehr, dass er ein Blutbad anrichtet, um die israelitische Gemeinschaft rein zu erhalten. In seinem Eifer für JHWH wird Pinhas als ausgesprochen gewalttätig dargestellt, ja, in seiner Radikalität nahezu fanatisch.
Die Makkabäer, die aus einer priesterlichen Familie stammten und mit viel Eifer für die Reinerhaltung des Glaubens eintraten, führten sich noch auf Pinhas zurück. In späterer Zeit war dagegen sein übermäßiger Eifer nicht mehr gefragt. Auch die Figur Aarons verlor mehr und mehr an Bedeutung. In neutestamentlicher Zeit wählte man sich eine andere hohepriester-liche Gestalt, die theologisch unbelastet war: Melchisedek, den altehrwürdigen Priester des höchsten Gottes in Jerusalem. Auf ihn griff besonders der Hebräerbrief für seine hohepriester-liche Darstellung Christi zurück.


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