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Frauenzimmer Lexikon
Frauenzimmer Lexikon
Titel: Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexikon : Worinnen nicht nur der Frauenzimmer geistlich- und weltliche Orden, Aemter, Würden, Ehrenstellen ... Sondern auch Ein ... Koch-, Torten- und Gebackens-Buch ... zu finden
Autor: Corvinus, Gottlieb Siegmund
Verfasserangabe: Dem weiblichen Geschlechte insgesamt zu sonderbaren Nutzen ... ausgestellt von Amaranthes
Erscheinungsvermerk: Leipzig : Gleditsch, 1715
Kollationsvermerk: [8] Bl., 2176 Sp., [16] Bl. : Ill.
Fingerprint: ennd lte- enmi KeSi 3 1715A
 
[…] „Denn was die Abfassung dieses Wercks betrifft, so habe ich mir dreyerley Classen Frauenzimmer bey Ausarbeitung dessen vorgestellet, als nehmlich, das haushältige und sorgfältige, das curiöse und galante, und endlich das gelehrte Frauenzimmer, welche allerseits bey Durchblätterung dieses Lexici verhoffentlich etwas finden sollen, das nach ihrem Goust ist , und selbigen ein und anderen Nutzen allerdings versprechen wird.“

„Frauenzimmer-Lexicon“ ist der gebräuchliche Kurztitel des Lexikons von Amaranthes, das erstmals 1715 erschien. Es handelt sich hier um eines der ersten, umfangreichen Reallexika für Frauen von –und das ist das eigentlich curiöse- einem Mann verfasst.

Hinter dem Pseudonym Amarenthes verbirgt sich Gottlieb Siegmund von Corvinus, seines Zeichen Notar, Advokat und Poet.

Ausgehend vom weiblichen (Arbeits-)Alltag listet Amarenthes in seinem Lexikon spezifisch weibliches Alltagswissen auf. Der Wissensstoff wird den Leserinnen in alphabetischer Reihenfolge dargeboten, was nicht selten dazu führt, dass beispielsweise auf eine berühmte Frauengestalt aus der Geschichte ein Kochrezept folgt (so ist etwa unmittelbar auf den Eintrag Maria Josepha de Jesu, Maria Josepha das Rezept Igel zuzurichten zu finden).

Amarenthes stellt in seinem Werk unzählige Frauengestalten aus Bibel, Mythologie, Geschichte und Gegenwart vor. Es handelt sich hauptsächlich um Heilige und Märtyrerinnen, adlige Damen, fromme und gebildete Frauen, oder um Frauen, die auf Grund von herausragenden Tugenden berühmt geworden sind. Solchen löblichen Beispielen weiblichen Lebenswandels stellt Amarenthes Negativbeispiele wie etwa Hexen, Schwärmerinnen, Huren und dergleichen gegenüber, nicht ohne pädagogischen Hintergedanken, denn „ (...) neben einem fleckigten Spiegel kann man am allerbesten die Güte und Schönheit eines rein geschliffenen Spiegelglases ersehen.“

Es finden sich Einträge zu weiblichen Berufen und Positionen hauptsächlich jedoch Artikel zu Haushaltsführung (z. B. Haushaltsgegenstände, zahllose Kochrezepte, Kräuterkunde), Lebensstil und Lebensart (z. B. Mode und Kosmetik, spezielle Frauenlektüre).

Gerade die Einträge zu verschiedenen Haushaltsgegenständen lässt das Buch heute zu eine der interessantesten Quellen bürgerlichen Alltags im frühen 18. Jahrhundert werden, da es den reichen städtischen Haushalt gleichsam inventarisiert.

Artikel-Kostproben:

Dame
Heisset so viel als eine Frau von Condition, oder vornehmen Standes und Ranges. <col. 403>.

Finger-Hut
Ist ein von Silber oder Messing auch Stahl getriebenes und ausgestochenes kleines Hütlein über den Mittel-Finger, wodurch sich das Frauenzimmer bey dem Nehen wieder das Stechen des Nehe-Nadel-Oehres verwahret. <col. 541>

Neben-Buhlerin
heisset ein Frauenzimmer, das auf des andern Frauenzimmers ihren Galan zugleich mit ein Auge geworffen, und ihm solchen abspenstig zu machen sich bemühet. <col. 1321>

Traum-Buch:
Ist ein dem Frauenzimmer sehr gebräuchliches gedrucktes Büchlein, worinnen das Frauenzimmer früh Morgens wegen ihres die Nacht über gehabten Traums sich umsiehet, und sich dabei das Oracul sagen und propheceyen lässt, was ihnen solcher gehabter Traum wohl bedeuten möchte. Dergleichen Artemidor und Lupus, wie auch andere mehr geschrieben. <col. 2037>.

Literatur:
Brandes, H. (1998): Das „Frauenzimmer-Lexicon“ von Amaranthes. In: Das achtzehnte Jahrhundert. Zeitschrift der deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts 22 (1), pp. 22-31

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